Zahnfleisch
Die häufigste Zahnerkrankung verstehen und verhindern
Zahnfleischentzündung (Gingivitis)
Kurzinfo
Eine Zahnfleischentzündung ist eine durch Zahnbeläge (Plaque), Reizungen oder Verletzungen hervorgerufene bakterielle Entzündung des Zahnfleisches. Man erkennt die Entzündung daran, dass das Zahnfleisch gerötet, geschwollen und oft auch weicher ist als gesundes Zahnfleisch. Weiterhin schmerzt die entzündete Stelle bei Berührung und kann beim Zähneputzen oder Essen bluten.
Gute Heilungsprognose
Zahnfleischentzündungen haben in der Regel eine gute
Heilungsprognose. Oft klingen sie innerhalb weniger Tage von selbst
wieder ab oder können relativ einfach durch eigene Maßnahmen oder eine
zahnärztliche Behandlung geheilt werden.
Unbehandelt besteht das Risiko einer Parodontitis
Wenn eine Zahnfleischentzündung über längere Zeit bestehen bleibt und nicht behandelt wird, kann sich daraus eine Parodontitis entwickeln. Diese betrifft auch den Kieferknochen und gefährdet den Halt der betroffenen Zähne.
Beide Erkrankungen äußern sich durch ähnliche Symptome. Es ist daher wichtig, entsprechende Anzeichen durch eine zahnärztliche Untersuchung abklären zu lassen.
Vorsorge
Einer Zahnfleischentzündung kann durch eine sorgfältige eigene
Mundhygiene, die Wahrnehmung der empfohlenen routinemäßigen
Kontrolluntersuchungen sowie durch zahnärztliche Prophylaxemaßnahmen wie
regelmäßigen professionellen Zahnreinigungen vorgebeugt werden.
Was ist eine Zahnfleischentzündung?
Eine Zahnfleischentzündung (Gingivitis) ist eine ist eine durch Zahnbeläge (Plaque), Reizungen oder Verletzungen hervorgerufene bakterielle Entzündung des Zahnfleisches. Sie beginnt meist am Zahnfleischrand oder im Bereich der Interdentalpapille (dem Zahnfleisch im Zahnzwischenraum). Von dort aus kann sie sich über weitere Bereiche des Zahnfleisches ausdehnen.
Man unterscheidet folgende Formen:
Akute Zahnfleischentzündung
Eine akute Zahnfleischentzündung entsteht relativ plötzlich und
dauert nur kurze Zeit an. Sie ist für Patienten durch entsprechende Symptome
erkennbar und geht bei verbesserter Mundhygiene an der entsprechenden
Stelle oder „von selbst“ meist innerhalb weniger Tage wieder zurück.
Chronische Zahnfleischentzündung

Diese Form der Entzündung ist dadurch gekennzeichnet, dass sie über längere Zeit bestehen bleibt, weil die auslösenden Entzündungsreize länger auf das Zahnfleisch einwirken. Zur Heilung ist oft eine gezielte Behandlung erforderlich.
Wird eine Zahnfleischentzündung nicht behandelt, weitet sie sich in der Regel auf alle Bestandteile des Zahnhalteapparates aus. Es entwickelt sich eine Parodontitis (Entzündung des Zahnhalteapparates, Zahnbettentzündung, frühere Bezeichnung: „Parodontose“).
Schwangerschaftsgingivitis
Während der Schwangerschaft verändert sich der Hormonstoffwechsel
einer Frau. Dies hat zur Folge, dass das Weichgewebe im Mund lockerer
und damit anfälliger für Zahnfleischentzündungen und Entzündungen des
Zahnhalteapparates (Gingivitis und Parodontitis) wird. Nach heutigem
Stand der Wissenschaft gilt es als gesichert, dass eine Parodontitis unter anderem das Risiko für ein zu geringes Geburtsgewicht erhöhen kann.
Ursachen
Auslöser für Zahnfleischentzündungen können mechanische Reizungen sowie Verletzung durch die Zahnbürste (zu festes Zähneputzen, verschlissene Borsten) oder harte, scharfkantige Nahrungsbestandteile wie Brotrinde sein.
In der Regel sind jedoch Beläge („weiche“ Beläge, auch Plaque oder „Biofilm“) und die darin befindlichen Bakterien Ursache der Entzündungen. Diese Beläge sammeln sich vor allem am Zahnfleischrand und im Bereich der Interdentalpapille (dem Zahnfleisch im Zahnzwischenraum) an, weil diese Stellen bei der eigenen Zahnpflege schwieriger zu erreichen sind. Daher sind diese Bereiche oft der Ausgangspunkt der Entzündungen.
Zahnstein (harte Beläge) begünstigt die Entstehung von Entzündungen zusätzlich. Weil Zahnstein eine raue Oberfläche aufweist, fest haftet und sich durch eigene Mundpflegemaßnahmen nicht beseitigen lässt, können sich Bakterien darin „ungestört“ vermehren.
Die Entzündungsreaktion
Die Entzündung selbst ist eine Abwehrreaktion des Körpers gegen Bakterien und die von ihnen produzierten Giftstoffe (Toxine). Das Immunsystem wird aktiviert und bewirkt unter anderem folgende Vorgänge:
- Das Zahnfleisch wird stärker durchblutet, was sich unter Umständen durch eine Schwellung zeigt. Es sieht nun dunkler und rötlicher aus. (Gesundes Zahnfleisch erscheint hellrosa).
- Um die bakterielle Infektion zu bekämpfen, wandern weiße Blutkörperchen verstärkt in das Zahnfleisch ein. Dies führt gelegentlich zu einer Schwellung und damit zu Schmerzen beim Zähneputzen.
Eine unzureichende Mundhygiene, Rauchen, Stress, Alkoholgenuss und bestimmte Medikamente fördern darüber hinaus die Entstehung von Entzündungen. Weiterhin kann eine erbliche Veranlagung mitentscheidend für eine verstärkte Entzündungsreaktion des Immunsystems sein.
Diese Faktoren können außerdem dazu beitragen, dass die Entzündung über längere Zeit bestehen bleibt: Eine Zahnfleischentzündung kann sich leichter zu einer Entzündung des gesamten Zahnbettes (Parodontitis oder Zahnbettentzündung) ausweiten.
Symptome
Folgende Symptome und Merkmale kennzeichnen gesundes bzw. erkranktes Zahnfleisch:
Gesundes Zahnfleisch ist blassrosa, blutet nicht, zeigt keine Schwellung, ist fest und liegt straff am Zahn an.
Entzündetes Zahnfleisch ist gerötet, geschwollen, weicher als gesundes Zahnfleisch und schmerzt bei Berührung. Darüber hinaus deutet häufigeres Zahnfleischbluten während des Essens und beim Zähneputzen auf eine Entzündung hin.
Wichtig!
Gerötetes oder häufiger blutendes Zahnfleisch können ebenso auf eine Parodontitis (Entzündung des Zahnhalteapparates) hinweisen. Darüber hinaus können Zahnfleischentzündungen und die Parodontitis auch ohne für Patienten erkennbare Symptome verlaufen. Das Zahnfleisch kann beispielsweise gesund aussehen, obwohl in der Tiefe entzündliche Prozesse stattfinden, die nur bei einer zahnärztlichen Untersuchung festgestellt werden können.
Daher sind regelmäßige routinemäßige Vorsorgeuntersuchungen zur Abklärung von Symptomen und zur Erkennung von Erkrankungen wichtig.
Diagnose
Entzündetes Zahnfleisch fällt Zahnärzten oft bereits durch die typischen Symptome mit bloßem Auge auf.
Falls erforderlich, kann die Festigkeit sowie die Blutungsneigung des Zahnfleisches an der entsprechenden Stelle mithilfe einer Sonde (einem Handinstrument mit feiner Spitze) getestet werden. Dazu wird das Zahnfleisch mit der Sonde berührt. Je nach Intensität der Zahnfleischentzündung reagiert das Zahnfleisch mit einer leichten oder stärker ausgeprägten Blutung.
Diese Untersuchung kann durch die Erhebung entsprechender Mundgesundheits-Kennwerte (-Indices), wie dem Sulkus-Blutungs-Index (SBI) oder Blutung auf Sondierung, BAS (auch Bleeding on Probing, BOP) ergänzt werden. Mundgesundheitswerte sind Teil der Diagnostik und dienen darüber hinaus der Dokumentation, der Behandlungsplanung und der Erfolgskontrolle zwischen Behandlungsterminen.
Eventuelle entzündliche Prozesse, die in der Tiefe stattfinden und äußerlich nicht erkennbar sind, können unter Umständen im Röntgenbild festgestellt werden.
Behandlung
Eine Zahnfleischentzündung (Gingivitis) klingt oft von selbst innerhalb weniger Tage wieder ab. Sollte dies nicht der Fall sein oder auch zur Unterstützung des Heilprozesses, kann sie wie folgt behandelt werden:
Eigene Behandlungsmöglichkeiten
Zahnfleischentzündungen können in der Regel schon durch eine
verbesserte Mundhygiene im Bereich der Entzündung geheilt werden. Die
sorgfältige Entfernung von bakteriellen Zahnbelägen trägt entscheidend
dazu bei, die entzündungsauslösenden Reize zu beseitigen. Schmerzende
Bereiche oder verletzte Stellen sollten nach Möglichkeit weiterhin
schonend gereinigt oder bei Bedarf ausgespart werden. Hier kann auch
der Umstieg auf eine Zahnbürste mit sehr weichen Borsten weiterhelfen,
die Mundhygiene fortzusetzen.

Nebem dem Putzen mit der Zahnbürste gehört die Reinigung der
Zahnzwischenräume mit Zahnseide, Interdentalbürstchen oder medizinischen
Zahnhölzchen (mit dreieckigem Querschnitt) dazu. Außerdem können
Mundspüllösungen und Salben mit antibakteriellen Wirkstoffen zur
Heilung beitragen.
Wann zum Zahnarzt gehen?
Falls eine Zahnfleischentzündung nicht nach mehreren Tagen abklingt,
sollte Sie zahnärztlich behandelt werden. Ein Zahnarztbesuch ist
generell ratsam, wenn Symptome wie Zahnfleischbluten, Rötungen oder
schmerzendes Zahnfleisch häufiger auftreten. Diese Anzeichen können auf
eine Parodontitis hindeuten.
Zahnärztliche Behandlung
Bei der Behandlung wird der betreffende Bereich zunächst
professionell gereinigt. Dazu werden weiche bakterielle Zahnbeläge
sowie eventuell vorhandener Zahnstein (harte Beläge) entfernt. Bei
Bedarf erfolgt dies auch unterhalb des Zahnfleischrandes. Auf diese
Weise werden die entzündungsauslösenden Reize – Bakterien und von ihnen
ausgeschiedene Stoffwechselprodukte – beseitigt.
Unter Umständen können darüber hinaus kurzzeitig Mundspüllösungen und Salben mit antibakteriellen Wirkstoffen eingesetzt werden. Um die erzielte Wirkung zu erhalten, ist es wichtig, die eigene Mundpflege an der betreffenden Stelle sorgfältig fortzusetzen.
Vor allem bei häufigen und chronischen Zahnfleischentzündungen sind professionelle Zahnreinigungen (PZR) angezeigt. Sie stellen eine intensive Reinigung und eine sorgfältige Zahnbelagsentfernung auch an schwierig zu erreichenden Stellen sicher. Weiterhin werden die gesamte Bakterienzahl sowie entzündliche Prozesse im gesamten Mund vermindert.
Prognose
Akute (plötzlich auftretende und nur kurz andauernde) Zahnfleischentzündungen treten im Mund immer wieder einmal auf und sind meist harmlos. Sie klingen in vielen Fällen von selbst wieder ab oder können durch eigene oder zahnärztliche Maßnahmen vollständig und zügig geheilt werden. Dies gilt auch, wenn eine mechanische Reizung oder Verletzung Auslöser der Entzündung war.
Länger bestehende, chronische Zahnfleischentzündungen sollten behandelt und zahnärztlich beobachtet werden, etwa im Rahmen regelmäßiger Kontrolltermine.
Denn Zahnfleischentzündungen können sich zu einer Parodontitis (Entzündung des Zahnhalteapparates) weiterentwickeln, die den gesamten Halteapparat eines Zahnes schädigt und damit den Halt der betroffenen Zähne gefährdet. Weiterhin ist erwiesen worden, dass eine Parodontitis die Allgemeingesundheit (Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schwangerschaftskomplikationen) beeinträchtigen kann.
Vorsorge
Die wichtigste Vorsorgemaßnahme stellt die eigene sorgfältige Mundpflege und die damit verbundene Entfernung bakterieller Zahnbeläge ("Plaque" oder "Biofilm") dar.
Diese Beläge entstehen zwar täglich neu, die regelmäßige Entfernung verhindert jedoch, dass Bakterien und damit die entzündungsauslösenden Reize über längere Zeit auf das Zahnfleisch einwirken können. Besonders wichtig ist die Reinigung des Zahnfleischrandes und der Zahnzwischenräume, weil hier wegen der schlechteren Erreichbarkeit das Risiko größer ist, dass Beläge länger haften können.
Zur sorgfältigen Mundpflege gehören neben dem Putzen mit der Zahnbürste:
- Die Verwendung zusätzlicher Zahnpflegemittel (Zahnseide, Interdentalbürstchen, medizinische Zahnhölzchen mit dreieckigem Querschnitt, etc.)
- Kauen von zuckerfreien Kaugummis zwischen den Mahlzeiten, falls keine Gelegenheit zum Zähneputzen besteht
- Das Mundausspülen nach den Mahlzeiten mit Wasser oder anderen zuckerfreien Getränken
- Die kurzzeitige Verwendung von Mundspüllösungen (nach besonderer Empfehlung)
Weiterhin kann man Zahnfleischentzündungen mit einer zahngesunden Ernährung und dem weitgehenden Verzicht auf Tabak- und Alkoholkonsum vorbeugen.
Schwangere
Werdende Mütter sollten in der Schwangerschaft möglichst früh
zahnärztliche Vorsorgetermine wahrnehmen und ihre Mundgesundheit
untersuchen lassen. Darüber hinaus senkt eine besonders sorgfältige
Mundpflege das Entzündungsrisiko und hilft, eventuell bereits bestehende
Entzündungen zu vermindern.
Zahnfleischentzündungen, vor allem aber die Parodontitis, werden mit einem erhöhten Risiko für Schwangerschaftskomplikationen in Verbindung gebracht.
Professionelle Vorsorge in der Zahnarztpraxis
Empfehlenswert sind routinemäßige Kontrolltermine sowie regelmäßige
professionelle Zahnreinigungen in auf das persönliche Erkrankungsrisiko
abgestimmten Zeitabständen.
Zahnfleischrückgang
Was ist Zahnfleischrückgang und wie kommt es dazu?
Von Zahnfleischrückgang (Gingivarezession) spricht man in der Regel, wenn sich Zahnfleisch an einem oder mehreren Zähnen zurückbildet, ohne dass eine Entzündung wie die Parodontitis dafür verantwortlich ist.
Folgende Gründe kommen dafür in Frage:
- Altersbedingter, erblich veranlagerter Rückgang im Lauf der Jahre,
- Eine falsche Zahnputztechnik (zu festes Aufdrücken der Zahnbürste) und zu harte/verschlissene Borsten,
- Zu straffe Lippen- oder Gaumenbändchen, die das Zahnfleisch förmlich wegziehen,
- Piercing des Lippenbändchens,
- Eine Überlastung z. B. durch Zähneknirschen.
In manchen Fällen kann der Zahnfleischrückgang aber auch die Folge einer Parodontitis sein.
Je nachdem, wie weit das Zahnfleisch zurückgewichen ist, liegen die Zahnhälse frei. Sie sind nicht mit Zahnschmelz, sondern mit dem wesentlich empfindlicheren Zahnzement überzogen. Daher werden die Zähne häufig überempfindlich und es entwickelt sich schnell eine Zahnhalskaries.
Um Beschwerden zu lindern, können die Zahnhälse mit Fluoridlack
bestrichen oder mit einem speziellen Kunststoff versiegelt werden.
Dies schützt sie auch vor Karies. Ist bereits eine Karies aufgetreten,
werden die Zahnhälse mit zahnfarbenen Kunststofffüllungen versorgt.
Gerade bei den Frontzähnen ist ein Zahnfleischrückgang vor allem auch ein ästhetisches Problem. Unter gewissen Voraussetzungen kann eine Bindegewebstransplantation weiterhelfen. Dabei werden die freiliegenden Zahnhälse mit einem Zahnfleischstückchen bedeckt, das mit dem umliegenden zusammenwächst.
Zahnfleischtransplantation
Kurzinfo
Zahnfleischtransplantationen gehören zur Weichgewebs- bzw. plastischen Parodontalchirurgie. Sie dienen der Rezessionsabdeckung, also dem Bedecken freiliegender Zahnhälse bzw. Zahnwurzelbereiche. Ein solcher "Defekt" kann durch verschiedene Auslöser hervorgerufen worden sein.
Je nach Art und Stärke des Rückgangs können verschiedene Methoden angewendet werden. Beim so genannten Freien Bindegewebstransplantat wird eine geringe Menge körpereigenen Gewebes zum Beispiel aus dem Gaumen entnommen und an die gewünschte Stelle verpflanzt (transplantiert). Bei der „Verschiebelappentechnik“ wird anstelle einer Transplantation das benachbarte Gewebe verschoben und an der gewünschten Stelle fixiert.
Nach der Einheilung ist das neue Gewebe in aller Regel kaum von dem umgebenden zu unterscheiden. Auf diese Weise kann eine natürliche, harmonische Ästhetik wiederhergestellt, die Überempfindlichkeit von Zähnen verringert und die Funktion des Zahnhalteapparates gefördert werden.
Was ist eine Zahnfleischtransplantation?
Wenn ein Zahnhals oder ein Teil der Zahnwurzel durch einen Zahnfleischrückgang (Rezession) freiliegt, kann der entsprechende Bereich in vielen Fällen durch eine Zahnfleischtransplantation oder -verschiebung ausgeglichen werden.
Zu den Ursachen solcher Rezessionen gehören vor allem der oft ab dem mittleren Lebensalter auftretende und nichtentzündliche Rückgang, aber auch eine Schädigung des Zahnhalteapparates durch Entzündungen wie die Parodontitis (Zahnbettentzündung) sowie individuelle anatomische Gegebenheiten wie Zahnfehlstellungen oder ungünstig ansetzende Zungen- und Lippenbänder.
Bei der Tansplantation von Zahnfleisch wird ein dünnes Schleimhautstück aus Gaumen, Wange oder einer Zahnlücke entnommen und an der gewünschten Stelle mit dem vorhandenen Zahnfleisch verbunden. Man spricht dabei vom "Freien Bindegewebstransplantat". Bei dem als Verschiebelappentechnik bezeichneten Verfahren wird anstelle einer solchen Transplantation das Zahnfleisch in der unmittelbaren Umgebung in Richtung der freiligenden Bereiche verschoben und dort befestigt.
Der Nutzen von Zahnfleischtransplantationen
Eine Zahnfleischtransplantation wird bei Zähnen angewendet, deren Zahnhälse bzw. Teile der Wurzel durch Zahnfleischrückgang freiliegen. Diese Zähne wirken unnatürlich lang, was gerade im Frontzahnbereich von vielen Patienten als störend empfunden wird und zu Unsicherheit im Umgang mit anderen Menschen führen kann.
Durch eine Zahnfleischtransplantation kann ein ästhetisches Längenverhältnis von Zahn und Zahnfleisch wieder hergestellt werden. Dieser Eingriff kann aber auch notwendig sein, um ein weiteres Fortschreiten eines Zahnfleischrückganges aufzuhalten.
Neben den ästhetischen Nachteilen führt ein freiliegender Bereich oft zu einer Überempfindlichkeit des Zahnes beim Genuss sehr warmer, kalter oder süßer Speisen. Der Grund dafür ist, dass in diesem Bereich des Zahnes das recht sensible Dentin (Zahnbein) nicht oder kaum von einer anderen Schicht (dem Zahnschmelz oder, im Wurzelbereich, von Wurzelzement) bedeckt wird, also nahezu frei liegt. Die im Dentin vorhandenen feinen Kanäle leiten die Reize an die im Inneren liegenden Nervenfasern weiter.
Hinzukommt, dass der freiliegende Bereich manchmal geschont und weniger intensiv gereinigt wird. Dies kann das Risiko von Zahnhalskaries und Entzündungen erhöhen.
Bei implantatgetragenem Zahnersatz
Ein weiteres wichtiges Einsatzgebiet von Zahnfleischtransplantationen ist die Implantologie. Dabei ist es möglich, ein besonders ästhetisches, natürliches Aussehen des implantatgetragenen Zahnersatzes zu erzielen und das Implantat sowie umliegendes Weichgewebe vor schädlichen Einflüssen zu schützen.
Die Behandlung
Zahnfleischtransplantationen bzw. -verschiebungen werden meist unter örtlicher Betäubung durchgeführt. Patienten empfinden in aller Regel keinerlei Schmerzen, könnten jedoch einen leichten Druck spüren.
Die Behandlung unterscheidet sich je nach Ausgangssituation und der gewählten Technik in Schnittführung, Art des entnommenen Gewebes (Schleimhaut oder Bindegewebe), der Verbindung im so genannten Empfängerbett sowie eventuell notwendiger Nachbehandlungen.
Grundsätzlich wird zunächst das Empfängerbett für die Aufnahme des neuen Weichgewebes vorbereitet. Dazu werden mehrere feine Schnitte geführt und das betroffene Gebiet gereinigt. Nun wir ein dünnes Gewebestück aus dem Bereich des Gaumens oder einer Zahnlücke entnommen. Dafür wird manchmal eine zuvor angefertigte Schablone genutzt. Dieses Gewebe wird ebenfalls gereinigt und an die Größe und Form des fehlenden Zahnfleisch- bzw. Bindegewebes angepasst.
In einem weiteren Schritt wird es in das Empfängerbett eingefügt und
durch spezielle Gewebekleber oder sehr feine Nähte befestigt.
Die Entnahmestelle wird je nach vorausgegangener Schnittführung
entweder direkt vernäht oder zum Schutz mit einer (vorab angefertigten)
Verbandsplatte aus Kunststoff bedeckt. Beim Empfängerbett kommt meist
ein Wundverband zur Anwendung. Diese Maßnahmen sollen dafür sorgen,
dass das neue Zahnfleisch und die Entnahmestelle sicher und gut
verheilen können.
Anschließende Nachsorgetermine dienen dazu, den Erfolg der Behandlung zu überprüfen und sicherzustellen.
Verschiebelappentechnik
Manchmal kann anstelle einer Transplantation das umgebende Zahnfleisch zur Rezessionsdeckung genutzt werden. Dabei wird die oberste Schicht des benachbarten Gewebes gelockert, verschoben und mit feinen Nähten an der gewünschten Stelle fixiert. Dieses Verfahren wird als Verschiebelappentechnik bezeichnet.
Prognose
Nach der Einheilphase sind die transplantierten bzw. verschobenen Gewebeteile in aller Regel gut mit den umgebenden verwachsen. Es entsteht neues, festes Zahnfleisch ohne oder mit nur geringfügigen farblichen Unterschieden zu benachbarten Bereichen. Die Erfolgsrate ist sehr hoch. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die ursprünglichen Auslöser wie zu festes Zähneputzen oder ein zu straff ansetzendes Lippenbändchen beseitigt werden.
Eine persönliche Einschätzung zum möglichen Behandlungserfolg in Ihrem individuellen Fall erhalten Sie vorab bei unserer ausführlichen Beratung.
Was sollte ich vor und nach der Behandlung beachten?
Nach der Zahnfleischkorrektur kann es wie bei allen Eingriffen in den nächsten Tagen zu leichten Beschwerden und leichten Nachblutungen kommen.
Selbstverständlich werden Sie vor der Behandlung umfassend darüber und über das mögliche Ergebnis informiert. Sie erhalten Hinweise für Ihr Verhalten vor und nach dem Eingriff.
Eventuelle Fragen können ebenfalls geklärt werden.
Welche Alternativen gibt es?
Um die Überempfindlichkeit von freiliegenden Zahnhälsen zu vermindern, kann es sinnvoll sein, die betroffenen Stellen mit einem Lack zu versiegeln oder mit einem Gel zu fluoridieren, wodurch auch das Kariesrisiko gesenkt wird. Die betroffenen Stellen am Zahnhals können auch mit kleinen zahnfarbenen Kompomerfüllungen (siehe Ästhetische Zahnmaterialien) wieder aufgebaut werden.
Zahnfleischprothese
Bei sehr starkem Zahnfleischrückgang (siehe Miller-Klasse IV) ist eine Zahnfleischtransplantation manchmal nicht sinnvoll. Um eine deutlich störende Ästhetik dennoch ausgleichen bzw. freiliegende Zahnhälse oder Wurzeln schützen zu können, kann die Anfertigung einer Zahnfleischprothese aus dauerelastischem (weichbleibenden) Kunststoff angezeigt sein.
Aufbaumethoden
Falls aus verschiedenen Gründen kein körpereigenes Gewebe entnommen werden kann oder gleichzeitig der Zahnhalteapparat inklusive des Kieferknochens regeneriert werden soll, stehen weitere Methoden zur Verfügung: Dazu gehören die Gesteuerte Geweberegeneration (Guided Tissue Regeneration, GTR) und die Gesteuerte Knochenregeneration (Guided Bone Regeneration, GBR).
MO
08.00 – 13.00 und 15.00 – 20.00 Uhr
DI
08.00 – 13.00 und 15.00 – 19.00 Uhr
MI
08.00 – 13.00 und 14.00 – 17.00 Uhr
DO
08.00 – 13.00 und 15.00 – 19.00 Uhr
FR
08.00 – 13.00 und 14.00 – 18.00 Uhr
Tel.: 0234-324190
MO
08.00 – 13.00 und 15.00 – 20.00 Uhr
DI
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MI
08.00 – 13.00 und 14.00 – 17.00 Uhr
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FR
08.00 – 13.00 und 14.00 – 18.00 Uhr
